Im Homeoffice ungewollt Geldwaschen? Achtung, Jobscamming!

Verbraucherzentralen warnen vor Betrug auf dem Arbeitsmarkt


Wer online nach Arbeit sucht, stößt leicht auf betrügerische Jobangebote. Das Ge-
meine dabei: Sie sind von seriösen kaum zu unterscheiden. Im schlimmsten Fall
helfen Arbeitssuchende ungewollt Betrügern bei der Geldwäsche. Die Verbraucher-
zentralen raten, Stellenanzeigen genau zu prüfen und erklären, worauf zu achten ist.
Gefälschte Stellenanzeigen und täuschend echte Karriereseiten wirken heute
professioneller denn je. Gleichzeitig sinkt der Aufwand, mit dem sich solche
Betrugsmaschen umsetzen lassen. „Kriminelle nutzen mittlerweile fertige Webseiten,
gefälschte Identitäten und eine professionelle technische Infrastruktur. Zusätzlich
erleichtert künstliche Intelligenz den Betrug mit Jobanzeigen zunehmend“, erklärt Nicole
Schneider, Juristin bei der Verbraucherzentrale Thüringen. Daher werde es für
Verbraucher:innen immer schwieriger, gefälschte Stellenanzeigen zu entlarven. Aber
warum ist das wichtig?
„Mit den Fake-Anzeigen haben es Kriminelle auf persönliche Daten der Bewerber:innen
abgesehen. Diese nutzen sie, um Fakeshops, Accounts und Bankkonten zu eröffnen
oder Kredite aufzunehmen und Verträge abzuschließen“, erklärt Nicole Schneider. Um
das zu vermeiden, sollten Bewerber:innen bei der Jobsuche genau hinsehen.
Zu gut, um wahr zu sein
„Auch wenn sie seriös wirken und die Aufmachung sehr professionell ist, fallen immer
wieder gewisse Ähnlichkeiten auf“, merkt die Expertin an. Fast allen betrügerischen
Anzeigen ist gemein, dass Qualifikationen oder die Fähigkeiten der Jobsuchenden kaum
relevant sind. Zeugnisse oder Nachweise werden im Bewerbungsverfahren nicht
verlangt. „Daran sind Betrüger auch nicht interessiert. Vielmehr geht es darum, die
Hürden für eine Bewerbung so gering wie möglich zu halten, damit genügend
Bewerbende ihre Daten preisgeben.“
Verbraucherzentrale Thüringen e.V. 2 | 3
Im Homeoffice ungewollt Geld waschen? Achtung, Jobscamming!
Ein weiteres häufiges Merkmal: Hundert Prozent Homeoffice. „Fake-Jobs benötigen
keine Büroräume. Wird mit Tätigkeiten geworben, die bequem von zu Hause erledigt
werden können, sollten Jobsuchende genau hinschauen“, rät Schneider. Das gelte auch,
wenn ein exaktes Gehalt ausgewiesen wird: Seriöse Anzeigen geben in der Regel nur eine
Besoldungsstufe oder einen groben Rahmen an. Betrügerische Angebote locken
dagegen mit einem genauen Stundenlohn.
Erst Vertrauen, dann Datenabfrage
Häufig stellen Betrüger durch ein vermeintlich seriöses Auftreten, Telefonate oder Chats
Vertrauen her – analoge Kontakte finden hingegen nicht statt. „Ein persönlicher digitaler
Kontakt ist aber kein Echtheitsnachweis“, warnt die Expertin. Spätestens, wenn
Bewerber:innen vor dem Unterzeichnen des Arbeitsvertrags ihre Kontodaten, ihren
Ausweis oder ihren Versicherungsnummernachweis übermitteln sollen, ist Misstrauen
angebracht. Nicole Schneider rät, in solchen Fällen sofort den Bewerbungsprozess zu
beenden. Das gelte auch, wenn ein Video-Ident-Verfahren verlangt wird. „So plausibel
der vorgeschobene Grund auch klingen mag, mit dieser Masche eröffnen Kriminelle ein
Bankkonto zwecks Geldwäsche“, so Schneider.
Tipps für die Jobsuche
Jede vielversprechende Stelle sollten Verbraucher:innen daraufhin prüfen, ob der
Arbeitgeber seriös ist. Dazu recherchieren sie am besten das Unternehmen, nicht nur die
Stellenanzeige. Ist die Stelle auch auf der offiziellen Karriereseite des Unternehmens zu
finden? Zudem sollten die offiziellen Kontaktdaten des Unternehmens genutzt werden –
zum Beispiel, um zu prüfen, was bei Eingabe der Adresse in einen Online-Kartendienst
angezeigt wird. So enttarnt sich mitunter die ein oder andere Briefkastenfirma.
Der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen kann zusätzlich erste Hinweise über die
Seriosität des Unternehmens geben.
Sind Verbraucher:innen bereits auf ein betrügerisches Stellenangebot hereingefallen,
hilft der Notfall-Check der Verbraucherzentralen:
verbraucherzentrale.de/jobscamming-notfallcheck
Weitere Informationen zum Betrug mit Jobanzeigen auf:
verbraucherzentrale.de/was-ist-job-scamming

Quelle und Foto: Verbraucherzentrale

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